Sodbrennen, saueres Aufstossen, Reflux

 


Sodbrennen ist meist vergesellschaftet mit saurem oder bitterem Aufstossen. Abzugrenzen ist es von der funktionellen Dyspepsie, die sich durch wiederkehrende Schmerzen oder Unwohlsein im oberen Bauchbereich definiert. Typischerweise ist das Sodbrennen Ausdruck einer gastroösophagealen Refluxerkrankung (übermässiger Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre). In westlichen Ländern beträgt die Prävalenz (das Vorkommen) von Sodbrennen 10 – 20%. In Asien hingegen ist es mit 5% weitaus weniger häufig. Die epidemiologischen Daten sprechen für eine Zunahme der Inzidenz (Anzahl Betroffener) in den letzten Jahrzehnten für alle Manifestationsformen, obschon prospektive (zukunftsgerichtete) Daten fehlen. Einteilen kann man die Folgen des Sodbrennens in drei Gruppen: die nicht-erosive gastroösophageale Refluxerkrankung, die erosive Form der gastroösophagealen Refluxerkrankung sowie den Barrett-Ösophagus.

Endoskopisch haben 60% der Betroffenen keine Zeichen einer erosiven Oesophagitis, also eine nicht-erosive Refluxerkrankung (keine Verletzung der Speiseröhren-Schleimhaut durch die Magensäre). Trotz fehlendem anatomischem Korrelat ist sie für betroffene Personen sehr belastend, so beeinflusst die nächtliche nicht-erosive Refluxerkrankung die Lebensqualität etwa gleich negativ wie eine Herzinsuffizienz oder eine koronare Herzkrankheit (Angina pectoris). Vom prognostischen Verlauf her ist die nicht-erosive Refluxerkrankung hingegen weitgehend unbedenklich und bei über 95% der Patienten über viele Jahre hinweg stabil. Entsprechend sind regelmässige endoskopische Verlaufskontrollen (Magenspiegelungen) nicht erforderlich. Die verbleibenden 40% der Betroffenen mit gastroösophagealer Refluxerkrankung haben eine erosiven Refluxerkrankung mit Entzündungszeichen im Bereich des Übergangs von Speiseröhre zum Magen, bei der so genannten Z-Linie, welche den Übergang vom ösophagealen Plattenepithel (Speiseröhren-Schleimhaut) ins gastrische Zylinderepithel (Magenschleimhaut) darstellt. Bei der erosiven gastroösophagealen Refluxerkrankung ist eine Behandlung wichtig, da sonst Komplikationen wie Ulzera (Geschwüre), Strikturen (Speiröhrenverengungen) oder ein Fortschreiten zum Barrett-Ösophagus (siehe unten) auftreten können. Die Behandlung erfolgt mit Protonenpumpenblockern (Magensäurenblocker), welche eine Abheilungsrate von ca. 75% nach 8 Wochen Behandlung zeigen. Da die erosive gastroösophageale Refluxkrankheit in 70 – 80% der Fälle innerhalb eines Jahres erneut auftritt, ist eine Erhaltungstherapie mit einem Magensäureblocker sinnvoll.

Die gefürchtetste Komplikation der gastroösophagealen Refluxerkrankung, ist der Barrett-Ösophagus respektive dessen Folge, das Adenokarzinom des gastroösophagalen Überganges (eine Form des Speiseröhrenkrebses). Die Häufigkeit des Barrett-Ösopahguses liegt bei 1% der Gesamtbevölkerung. Er definiert sich durch eine Verschiebung der Z-Linie nach proximal in den tubulären Ösophagus, wobei die distale (Magen-nahe) Speiseröhren-Schleimhaut vom Körper durch intestinales Zylinderepithel ersetzt wird (die Speiseröhre wird fälschlicherweise durch Dünndarm-Schleimhaut ersetzt) . Angegeben wird der Barrett-Ösophagus nach der Prag-Klassifikation (C und M , wobei die C in Centimetern angibt, wie weit die Umwandlung zirkulär in die Speiseröhre hinauf reicht und M in Centimetern die Distanz angibt, wie weit der weiteste Ausläfer von Risiko-Schleimhaut in die Speiseröhre hinauf reicht). Die Barrett-Schleimhaut weist histologisch (unter dem Mikroskop) vier verschiedene Stadien auf: dysplasiefrei (keine Entartungszeichen - kontrollieren und Zuwarten), low-grade-Dysplasie (geringgradige Entartungszeichen - engmaschiges kontrollieren), high-grade-Dysplasie (hochgradige Entartungszeichen - Behandeln mittels Operation oder lokaler Verödung durch eine spezielle Magenspiegelung) und Progress (Fortschreiten) zum Adenokarzinom (nachgewiesener Speiseröhrenkrebs - Abklären, meistens vorbehandeln und operieren). Wegen des Entartungsrisikos stellt der Barrett-Oesophagus die einzige Form der gastro-oesophagealen Refluxerkrankung dar, die regelmässig endoskopisch und bioptisch (mitels Gewebsproben) nachkontrolliert werden muss. Das Kontroll-Intervall erstreckt sich zwischen drei Monaten (high-grade-Dysplasie mit Zuwarten) und drei Jahren (dysplasiefreie Schleimhaut). Ziel ist es, das ösophageale Adenokarzinom (ein der beiden Formen des Speiseröhrenkrebses) zu verhindern. Dieser Krebs entwickelt sich jährlich mit einem Risiko von 0.3 – 0.6% (Jahres-Inzidenz). Untersucht man die Risikofaktoren für das ösophageale Adenokarzinom so geben lediglich 60% der Betroffenen Sodbrennen an, dies erstaunt nicht, da gerade der Barrett-Ösophagus asymptomatisch verlaufen kann. Einen Barrett-Ösophagus findet man andererseits nur bei 62% aller Adenokarzinom-Betroffenen, so, dass von 38% Barrett-Ösophagus-unabhängigen Adenokarzinomen des Ösophagus auszugehen ist.

Zusammenfassend ist das Sodbrennen häufig und für die Betroffenen belastend. In der Mehrzahl der Fälle kann symptomatisch behandelt werden, da anatomisch keine Veränderungen vorliegen. Die erosive gastroösophageale Refluxerkrankung ist, um Spätkomplikationen zu verhindern, mit einem Magensäurenblocker zu behandeln. Der Barrett-Ösophagus hat ein Entartungsrisiko von 0.3–0.6% pro Jahr, und bedarf daher neben einer PPI-Therapie regelmässiger endoskopischer Kontrollen (regelmässige Magenspiegelungen).

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